Es war einmal

Es war einmal im Jahr 1985, da erbten ein 27-jähriger Mann und seine 28- jährige Schwester von ihren Großeltern die Summe von umgerechnet je 25.000 Euro. Natürlich waren die jungen Leute willensstark. So konnte sie der Versuchung widerstehen, ihr Geld für ein neues Auto oder andere Annehmlichkeiten auszugeben.   
Stattdessen planten sie, diese Summe anzulegen, um davon später im Alter gut leben zu können. Bei der Suche nach einer geeigneten Anlage wandte sich die Schwester an einen guten Bekannten und fragte ihn um Rat.
Nun, sagte dieser, am besten legst Du Dein Geld an der Quelle des Vermögens an. Das hört sich gut an, sprach die junge Frau, aber was bitte ist die Quelle des Vermögens? Ganz einfach, sagte der Bekannte, die Quelle des Vermögens, das ist unsere Marktwirtschaft, das sind Unternehmen, die Umsatz machen und daran gut verdienen. Aber kann denn diese Quelle nicht plötzlich versiegen, fragte die junge Frau. Auf keinen Fall, rief ihr Bekannter, denn solange es Menschen gibt, benötigen wir Essen, Kleidung, eine Wohnung, ein Auto und andere Güter. Und es wird immer Firmen geben, die diese Bedürfnisse befriedigen. Natürlich wird diese Quelle manchmal stärker und manchmal schwächer sprudeln, denn es gibt gute und schlechte Zeiten. Aber sprudeln wird diese Quelle immer! Die junge Frau nickte zustimmend mit dem Kopf und sagte: Das klingt plausibel. Doch wie kann ich mein Geld an der Quelle des Vermögens anlegen?
Ich wüsste eine gute Möglichkeit, die es gibt, beteilige dich an meiner Elektrofirma, sagte ihr Bekannter. Erschrocken blickte die junge Frau ihn an und rief: Um Gottes willen, dabei kann ich doch mein gesamtes Geld verlieren! Richtig, sagte er. Aber als Eigentümer eines Unternehmen verdienst du viel wenn das Unternehmen gute Geschäfte macht. Ab und zu kann es zwar schlechter gehen, aber einmal ein schlechtes Jahr wird von anderen guten Jahren aufgefangen. Und wir, als einzige Elektrofirma am Ort werden bestimmt nicht schlecht abschneiden.
Vorsichtig, wie die junge Frau war, erkundigte sie sich zusammen mit ihrem Bruder auch noch bei dessen Hausbank, einer Raiffeisenbank, Doch die Raiffeisenbank machte einen ganz anderen Vorschlag. Sofort beschwerte die junge Frau sich bei ihrem Bekannten. Was hast Du mir denn da empfohlen! Ich war bei unserer Raiffeisenbank und die haben mir geraten, mein Geld bei Ihnen als Geschäftsanteile anzulegen. Da bin ich auch Miteigentümer und hätte nicht das Risiko einer neuen Firma zu befürchten und könnte ganz beruhigt schlafen, denn schließlich würde ja die Sicherungseinrichtung der Genossenschaftsbanken alles Risiko absichern. Mein Bruder hat das schon gemacht weil er sagt sein Geld sei bei der Raiffeisenbank sicherer als bei eurer Elektrofirma und der Mann von der Raiffeisenbank hat ihm auch gleich zu seinem Entschluss gratuliert und gesagt, dass er ab jetzt Miteigentümer der Raiffeisenbank ist und deshalb immer zu den Versammlungen eingeladen wird, bei einem guten Abendessen Informationen über die Bank erhält und auch über die Zukunft seines Unternehmens mitbestimmen darf. Außerdem soll es jedes Jahr eine gute Dividende geben.
Das alles hast Du bei uns auch, sagte ihr Bekannter, bei uns bist Du genauso Eigentümer wie Dein Bruder bei der Bank. Und Du hast in unserer GmbH die gleichen Rechte als Miteigentümer wie Dein Bruder als Miteigentümer bei der Bank. Vielleicht machen wir in den ersten Jahren nicht so hohe Gewinne wie die Bank, aber ich bin überzeugt, unsere Elektrofirma wird ein gutes Geschäft für uns beide werden. Und ein gutes Essen und eine jährliche Dividende erhältst du auch.
Nun war die junge Frau vollkommen überzeugt! Sie investierte ihre gesamten 25.000 € in die Elektrofirma Ihres Bekannten. Von der Dividende hat sie sich jährlich einen schönen Urlaub geleistet. Und 35 Jahre später, im Jahr 2020, hat die junge Frau das 63. Lebensjahr erreicht und möchte sich zur Ruhe setzen.

Die beiden Firmen haben sich toll entwickelt, die Raiffeisenbank bei der der Bruder als Eigentümer beteiligt ist und die kleine Elektrofirma, die zwischenzeitlich stark erweitert hat. . Als sich die Schwester ihren Anteil vom Steuerberater berechnen lässt, kommt dieser zu dem Ergebnis, dass anhand der Bilanz der Firma  der Wert aller Anteile 1,1 Millionen Euro beträgt. Und davon stehen ihr 550.000,00 € zu.
Aus den vor 35 Jahren investierten 25.000 € sind in der Zwischenzeit stattliche 550.000,-- € geworden ! Unglaublich und doch wahr! Davon lässt sich vortrefflich ein Lebensabend gestalten. Selbst wenn in Zukunft überhaupt keine Verzinsung mehr erfolgen sollte könnte die Frau jedes Monat zusätzlich 1.500,-- € verbrauchen und dies mehr als 30 Jahre lang. Und selbst wenn Sie das nicht erlebt, erben das restliche Guthaben ihre Kinder.

Ganz stolz erzählt sie das ihren Bruder. Auch dessen Firma, die Raiffeisenbank bei der er Mitglied, also Miteigentümer ist, hat sich hervorragend entwickelt und so macht der Bruder insgeheim für sich folgende Rechnung auf: : Die gesamten Geschäftsguthaben betragen 1.200.000,-- €, der Bruder besitzt 25.000,-- € davon, also gehört ihm, weil er ebenso wie seine Schwester Miteigentümer an einem Unternehmen ist, nach seiner Rechnung ein Anteil von 1/48 oder 2,09 % der Bank.
Aus der Passivseite der Bilanz ermittelt er das gesamte Vermögen der Raiffeisenbank (P11 + P12) und ermittelt eine Vermögen von 25.200.000,00 €. Davon gehört ihm 1/48, das sind  525.000,00 €.  
 Und genau wie seine Schwester träumt er nun den Traum vom gesicherten Lebensabend.  
Aber nicht lange, denn als er am nächsten Tag seinen Miteigentumsanteil an der Raiffeisenbank kündigt , sagt ihm der Bankmitarbeiter: Sie haben ihren Anteil heute gekündigt und im übernächsten Jahr nach der Generalversammlung erhalten Sie Ihre 25.000 € ausbezahlt, mehr nicht, auf die restlichen 500.000,-- € haben Sie keinerlei Anspruch, die behält die Bank. Das haben Sie doch gewusst, schließlich stand es auch so in der Satzung die Sie damals erhalten haben. 
Was der Bruder nach Erwachen aus seiner Schockstarre über die Raiffeisenbank gesagt hat, ist nicht überliefert.

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